Eine Schildkröte unter einem Röntgenapparat

Geht eine Schildkröte zum Doktor…

Normalerweise melde ich mich ja öfter, aber es ging mir einfach nicht so gut…mental nicht körperlich. Und wenn man nichts positives zu berichten hat, kann man auch einfach mal garnicht berichten. Jetzt geht es mir aber wieder gut und ich mache wieder mehr als nur arbeiten und schlafen.

Vorgestern haben wir nach der Arbeit gegrillt. Es war eigentlich eine Art Abschied, weil Miriam heute gefahren ist, aber es sind auch viele Leute die wir noch nie gesehen haben gekommen. Da waren zum Beispiel Garrett aus Australien und seine Freundin Marietta aus Tschechien, die gerade durch Griechenland reisen, aber vorher auch schon bei Archelon als Freiwillige gearbeitet haben. Mit den beiden haben Toni und ich uns sehr lange unterhalten. Garrett hat mir etwas über Deutsche Geschichte erzählt, weil ich seit dem Gymnasium alles vergessen habe und als die Musik ausgefallen ist und Jarne mir die Gitarre in die Hand gedrückt hat, hat Garrett rythmisch begleitet und Marietta mitgesungen. Das Grillen war ziemlich lang und die meisten freiwilligen sind danach noch bei Mondschein baden gegangen…da ich die Risiken von zu wenig Schlaf studiert habe und ein geschwächtes Immunsystem dazu gehört, hab ich das mal spontan gelassen. Leider fuhren zu dieser nachtschlafenden Zeit an einem Feiertag (hier ist Pfingsten eine Woche später) keine Bahnen mehr, aber zum Glück hatte Natasha eine griechische Teilzeit-Freiwillige ein Auto und hat uns Heim gefahren, weil die Jungs sich die zwei freien Betten (es gibt nämlich vier Betten im Rescue Centre, obwohl nur zwei von uns dort schlafen müssen) gekrallt haben. Sie sind nicht nur Kacke…vorher hatten sie als „Überraschung“ (als nicht-Alkohol-Konsument wurde ich eingeweiht) vorbereitet und für alle Mojitos gemacht und für mich haben sie extra einen alkoholfreien mit Kirschsirup gemacht…hat pepp-süß (wie man im Schwabenland sagen würde) geschmeckt, aber der Gedanke zählt.

Am nächsten Morgen waren wir alle ziemlich müde und ich wäre vermutlich noch irgendwann beim putzen eingeschlafen, aber wir haben dann einfach die Jungs die großen Tanks putzen lassen, was dann in einer Wasserschlacht ausgeartet ist, während Miriam und ich drinnen die Küche aufgeräumt haben. Nach der Arbeit waren wir alle zusammen schwimmen/schnorcheln. Das müssen wir hier bei der Hitze zu einem täglichen Ritual machen, heute haben wir das auch gemacht. Es ist einfach zu warm und nach einer gescheiten Abkühlung (also mindestens 10 Minuten im Wasser) hat man wieder Energie und Lust auf andere Dinge als Schlafen. Gestern Abend waren wir dann noch zu Miriams Ehren mexikanisch Essen. Dort waren wieder ein paar Archelon Menschen, die ich noch nie gesehen hatte. Jane und Joann, zwei ältere Damen aus den Staaten und Italien, waren wirklich nett und mit den beiden und Anja, der deutschen Tierärztin, die leider auch morgen abreist, habe ich mich den großartig verstanden. Es war mal ganz nett sich mal nicht das übliche Drama anhören zu müssen und der Burrito war auch extrem lecker.

Heute habe ich das erst Mal alleine Paris behandelt, okay, Toni musste Flosse halten. Natürlich sind das wilde Tiere mit denen wir arbeiten, die nicht an Menschen gewöhnt sind und sich auch eigentlich nicht an sie gewöhnen sollen. Aber Paris ist noch einmal extra störrisch, obwohl sie schon länger hier ist. Als man sie freilassen wollte, wurde spontan noch ein Pilz an ihrem Bauch festgestellt, der sich in den Panzer frisst. Da man nicht weiß, ob sie es ohne regeläßige Behandlung überlebt und ob sich so etwas auf andere Schildkröten übertragen kann, muss sie bei uns beiben. Danach habe ich einem älteren Ehepaar aus England eine besondere Tour gegeben. Wir bieten anscheinend Touren an, für die die Besucher zahlen müssen, anders als sonst, und dafür dürfen sie dann hinter die Kulissen gucken und auch mal eine Schildkröte und ihren Tank putzen, Fisch vorbereiten und Schildkröten füttern. Das war eigentlich ganz nett, leider mussten die Anderen dafür dann noch mehr arbeiten, weil ich dann halt in der ganzen Zeit beschäftigt war und nur die eine Schildkröte mit dem Paar geschafft habe.

Nach der Arbeit hatten wir noch einen Vortrag von Anja über Stress bei Tieren, der wirklich interessant war. Wusstet ihr, dass man nie ein Meerschweinchen mit Kaninchen zusammen halten sollte? Weil Meerschweinchen gerne ihren persönlichen Freiraum haben, Kaninchen aber lieber kuscheln und das nicht akzeptieren. Danach sind wir noch mit unserer neuesten Schildkröte, ja es kam kurz vorm Grillabend noch eine an und ja, ich habe einen schlechten Witz darüber gemacht, und Yoshi zum röntgen gefahren. Die Neue, Olypmia, hat keinen Haken in sich. aber ob Yoshis Lunge besser aussieht, wissen wir noch nicht, weil der Arzt ein Humanmediziner war.

Um den Tag abzuschließen und wieder einmal Zeit mit anderen Menschen zu verbringen… es ist nicht so, als ob ich meine Mitbewohner/Kollegen nicht mag, ich mag sie wirklich, aber wenn man 24h auf einander hockt, ist das wirklich anstrengend. …jedenfalls habe ich mich mit Rebekkah aus Australien getroffen, die ich in Nordirland kennen gelernt habe. Sie ist ja weiter durch Europa gereist, während ich zuhause an der Bachelorpräsentation gearbeitet habe und ist nun in Athen angekommen. Wir sind zusammen ein paar griechische Spezialitäten essen gewesen. Erst Souvlaki und dann Lukumades

diese Bällchen, die ich schon mit Ioanna und Mariaelena gegessen hatte. Dann sind wir noch etwas planlos durch die Innenstadt geschlendert und haben geplaudert. Es war irgendwie, wie wenn man eine alte Freundin wieder trifft, die man ewig nicht gesehen hat, aber anderseits auch eine neue Freundin, über die man noch nicht alles weiß. Jedenfalls war es super und hoffenlich kreuzen sich unsere Wege nochmal, sie ist jedenfalls immer bei mir und ich bei ihr willkomen. Also dann nächstes Jahr vielleicht mal nach Australien. Sie versichtert mir, dass es nicht so gefährlich ist, wie alle sagen. Außer man geht alleine ins Outback, nur dann trifft man die ganzen gefährlichen Tiere…aber wer macht das schon. Dann haben wir geguckt, wie wir wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt kommen und waren schon fast am richtigen Ort…eine Art innerer Kompass oder einfach Glück? Jedenfalls sitze ich jetzt in der Straßenbahn zurück ins Rescue Center, wo ich die nächsten 6 Tage wohne. Laut Plan habe ich zwei Nächte im Center, zwei im Appartment und wieder zwei im Center, aber das ist mir zu anstrengend mit dem Packen. Und ich kann länger schlafen, weil ich nicht ne halbe Stunde Bahn fahren muss. Naja, gute Nacht.

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