Eine Schildkröte in ihrem Becken

Eine Schildkrötenkrankenschwester so zu sagen

Ach Herrje, ich weiß garnicht wo ich anfangen soll. Hier passiert so unglaublich viel. Um genaue Namen und Aktivitäten zu benennen, müsste ich auf den Plan gucken, weil wir immer unseren Namen eintragen, wenn wir was machen. Ich hab Hugo geholfen, oder Hugo hat mir geholfen Jane ausm Tank zu holen. Jane ist ein Biest. Sie ist einfach nur riesig und wirklich wiederspenstig, aber dafür habe ich trainiert… Leider hasst sie es aus ihrem Becken geholt zu werden und hat mich durch den Handschuh gekratzt, dass ich ein paar Kratzer und Schürfwunden an der Hand habe…Berufsrisiko. Später habe ich Toni beim Fisch vorbeiten und verfüttern geholfen. Nach der Arbeit bin ich kurz mit Miriam shoppen gegangen, weil ich meine dreckige Arbeitshose auch gerne mal ausziehen will, ich aber nur eine kurze Hose eingepackt habe…wer ahnt auch, wie verflucht heiß es hier ist…Achja, ich musste die Nacht im Bauwagen bei den Schildkröten schlafen. Jede Nacht müssen zwei Voluntäre im Bauwagen schlafen, immer diejenigen, die Spätschicht am nächsten Tag haben oder hatten.

Am nächsten Tag hatte ich Spätschicht. Im wesentlichen heißt das nichts anderes als neben der normalen Schildkrötenarbeit noch die Handtücher zu waschen, die wir für die Schildkröten verwenden, um 3 die Temperaturen in den Becken zu messen und ein paar andere Dinge. Sonst habe ich noch zusätzlich wieder den Fisch geschnitten…eine Arbeit, die man besser macht, wenn der Fisch noch nicht ganz getaut ist…oder am besten jemand anderem überlässt. Es ist schon echt ekelig und man riecht danach sehr fischig. Miriam hatte am nächsten Tag Spätschicht, also sind wir zusammen zum Strand gefahren, als die anderen das Appartment aufgeräumt haben, weil der Chef kam um nach dem Rechten und der Waschmaschine zu sehen…die leider immernoch kaputt ist. Abends sind alle feiern gegangen, aber weil ich am nächsten Tag Frühschicht hatte, wollte ich nichts riskieren und bin bei den Schildkröten und Katzen geblieben. Miriam meinte nachher noch, dass sie sonst ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie jemanden alleine im Wagon lässt, aber bei mir wusste sie, dass ich es genieße. Recht hat sie.

Frühschicht heißt schon vor den anderen Anzufangen und überall die Temperaturen zu messen und die Schildkröten zu beobachten. Außerdem muss man nachher die Fütterungen mit Sonde übernehmen. Vier Stück waren das. Zum Glück hat Eirini, die Leiterin, mir bei den kleinen Schildkröten geholfen. Spidey und Kreon haben ein paar Medikamente bekommen. Spidey habe ich dann noch eine Infusion und eine Spritze gegeben. Zudem hat Spidey noch laxative bekommen, damit er seine Angelschnur hoffentlich ausscheidet. Das ist wirklich traurig, wie viele Tiere durch Fischer verletzt werden, wenn auch nicht absichtlich. Ich habe eben das Skript gelesen für Touristenführungen, viele Schildkröten verfangen sich auch in Fangnetzen und ersticken oder verlieren eine Flosse dadurch. Deshalb würde ich euch bitten euren Fischkonsum bewusst zu überdenken und zu reduzieren. Danach habe ich noch Sylvan und Hattie gefüttert, beides größere Schildkröten, die eine größere Sonde eingeführt kriegen. Dabei hat mir Anja, die Tierärztin geholfen und überwacht. Hattie hatte einen schlechten Tag und wir haben vorzeitig aufgegeben. Das muss halt auch scheiße sein für die Tiere.

Später musste ich noch das Futter für den nächsten Tag vorbereiten und sogar eine deutsche Führung halten, meine erste Führung! Eine Familie vom Bodensee, die Tochter hieß auch Sophia. Zum Glück haben sie sehr viele Fragen gestellt, sodass ich nicht nur erzählen musste, weil ich das Skript noch nicht kannte. Nach der Arbeit haben Toni und ich essen gekocht und mit Hugo die Royal Wedding geguckt, Hugo und ich mehr so aus Spaß. Abends im Appartment haben wir dann noch einen Filmabend gemacht und auf dem Balkon einen Disneyfilm gesehen. Naja, die von uns, die im Appartment geschlafen haben. Jetzt sitze ich in der Straßenbahn zur Arbeit und muss gleich im Laden arbeiten und Führungen geben. So anstrengend das auch klingt, wenn man ungern mit fremden Menschen oder überhaupt vor einer Gruppe redet, rieche ich heute einmal nicht nach Fisch, kann meine neue Hose anziehen und muss mich nicht mit Sonnencreme einkleistern.

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