Umfragen bestätigen, dass mein erster Tag weitaus abenteuerlicher war, als normalerweise.
Wie vor jedem besonderen Tag in meinem Leben, habe ich schlecht geschlafen. Frühstücken auf dem Balkon und das einschmieren mit Sonnencreme mit Handspiegel um das Badezimmer nicht zu blockieren (ein Badezimmer für vier Leute ist echt wenig, wenn alle gleichzeitig ausm Haus müssen) ist meine neue Morgenroutine. Dann dackel ich den anderen im Halbschlaf hinterher zur Straßenbahn. Im Schildkröten Rettungszentrum angekommen beginnt es damit, dass eine neue Schildkröte abgegeben wurde, normalerweise holen wir sie ab. Die kleine hat Schnur im Maul und vom Standardpersonal ist noch keiner da. Hugo, ein französischer Irgendwas-mit-Biologie Student, fängt an sie sauber zu machen mit einer Spiderman Zahnbürste, sie heißt Spidey…oder er, das weiß man nicht…ist auch egal.
Als die Aufregung um Spidey vorbei ist, gab es noch mehr Aufregung. Echo ist über nacht verstorben, er hatte eine tiefe Kopfwunde. Eine neue und eine tote Schildkröte und kaum 10 Minuten auf der Arbeit. Etwas später zeigt Miriam, eine halb Schwedin-halb Deutsche nach dem Abi, mir, wie man eine Schildkröte aus ihrem Tank hebt, am besten zu zweit, weil die meisten hier richtige Oschis sind. So heben wir… Name vergessen…aus dem Tank, bringen sie nach draußen, wo ich erstmals eine Schildkröte mit einem Schwamm und einer Zahnbürste schrubbe. Danach dann den Tank ausleeren und schrubben, während die Schildkröte in Handtüchern in der Sonne wartet, damit es ihr nicht zu kalt wird. Denn der Tank sauber und ausgespült ist, wird er wieder aufgefüllt und das Tier kann zurück ins aktuelle zuhause.
Das habe ich dann noch ein paar Mal gemacht. Unter anderem für Nemo, ein kleines Baby was kaum größer als meine Hand (inklusive Finger) ist. Später kam dann Anja, die deutsche Tierärztin, und hat Hugo, Tony, eine Engländerin nach dem Abi, und mir gezeigt, wie man eine Infusion bei Schildkröten legt und ihnen eine Injektion gibt. Dann durften wir zusehen, wie sie Maria verartzt. Marias Kiefer ist auf der einen Seite durchbrochen und sehr zerfleddert…das war ein wirkliches Blutbad. Ich muss heute wirklich mehr schlafen…ich kann mich garnicht erinnern, was sonst noch passiert ist…denk denk. Tony und ich haben ein paar Schildkröten gefüttert. Achja, wir waren auch noch kurz im Supermarkt und der Apotheke (leider haben wir keine Moskitoarmbänder gefunden). Jarne, ein belgischer Irgendwas-mit-Meeresbiologie Student, hat sich Kuchen gekauft…er hat heute Geburtstag, wir hatten noch eine Überraschung für ihn vorbereitet, aber das kann er ja nicht wissen.


Anastasia zurück in ihrem Becken.
Nach der Arbeit und nachdem alle gekocht und gegessen haben, und so weiter und so fort, sind wir zu einem See aufgebrochen, naja, es war mehr so eine Art Resort für einen See. Weil ich das Memo nicht gekriegt habe und keinen Bikini dabei hatte, war ich im Tshirt und Unterhose schwimmen. Nachher durfte ich dann meinen Pulli anziehen und meine Unterhose föhnen… Im See war es aber wirklich schön, kleine Fische haben an unseren Füßen geknabbert und es war eine nette Abkühlung. Auf gut Glück hatte ich zumindest meine Wasserdichte Kamera und meine Spiegelreflex Kamera dabei.

Danach sind wir zurück zu den Schildkröten gefahren und haben Jarne mit Kuchen und ein paar Geschenken überrascht. Wir haben griechisches Essen bestellt, aber irgendwas ist bei der Bestellung schief gelaufen, weil ich nur eine Box voller Pilze gekriegt habe…war auch okay, aber Portobello Mushroom esse ich vermutlich nie wieder in meinem Leben. Tony und ich hatten beide Kopfweh und ich musste definitiv genug schalfen. Durch meine Bachelorarbeit weiß ich ja, wie wichtig Schlaf für die Muskeln und das Erinnerungsvermögen ist. Also sind wir schon vor den anderen zurück und ab ins Bett.
Heute habe ich dann gleich damit angefangen Spidey eine Infusion zu geben und habe danach noch bei ein paar Tanks das Wasser ausgetauscht und ein paar Tanks und eine Schildkröte geschrubbt. Dann durfte ich kalten, toten Fisch zerteilen und verfüttern…werde ich den Geruch je los? Hoffen kann man ja noch. Das durfte ich dann natürlich auch noch sauber machen. Ich habe mich selten mehr über eine Dusche gefreut…vielleicht mache ich das noch vorm Kochen, damit ich das Bad nicht so lange für alle blockiere. Dann gab es noch ein paar Einführungen in alles und die offiziellen Tshirts, damit ich nicht immer meine eigenen vollsauen muss. Ein paar sehr schwere Schildkröten später riechen meine Hände endlich wieder mehr nach Latex als nach Fisch. Jetzt sitze ich hier und habe Hunger und frage mich, ob ich nach Hause gehen kann oder ob wir noch etwas arbeiten. Andere Aktivitäten sind mir relativ egal. Priorität hat diese Woche nur Schlafen.