Ich habe die Blase in der sich das Surfcamp befindet verlassen und habe auch Zeit um zu berichten.
Es war anders als letztes Jahr, aber genauso großartig. Am ersten Tag habe ich Michele, 15 und aus Estland, kennen gelernt, weil sie als einzige noch vor mir ankam. Wir sind dann am Strand schwimmen gewesen und haben Tischtennis gespielt. Und ja ich weiß was ihr denkt, seit wann spielt Sophia gerne Tischtennis und gibt sich mit so jungen Menschen ab, aber Michele ist echt super cool, wir haben uns gleich verstanden und sind so miserabel im Tischtennis, dass unser gemeinsames Ziel ist den Ball nicht zu verlieren, koste es was es wolle (Regeln kennen wir nicht). Später kamen dann noch ein Haufen Deutsche/Österreicher/Schweizer an und obwohl ich eher weniger begeistert war, waren die meisten doch ziemlich nett.
Ich hab mir mit Kathi aus Österreich ein Zelt geteilt, das war großartig, weil wir ein Bett frei hatten und somit keine Platzprobleme, verstanden haben wir uns natürlich auch gut.
So ganz so viel vom ersten Tag weiß ich nicht mehr, ist ja schon ne Woche her…am ersten Tag hab ich auch Daniel, 19 aus der Ukraine, kennen gelernt, der Informatik studiert und direkt mal mein Wissen testen musste, Gott, wie ich es hasse, wenn Männer sich immer gleich profilieren müssen! Wehe die in meinem Studiengang sind auch so…dann mach ich ne Umschulung zum Surflehrer. Matt, gute Frage aus England, zum Beispiel ist nicht so, der studiert Mathe und Physik und hat seine These über Big Data gemacht (womit ich mich ja auch beschäftigt habe), wir haben uns geeinigt, dass es cool ist und haben dann das Thema gewechselt.
Aber zum Glück sind die meisten Menschen im Surfcamp voll okay. Genau wie meine Gruppe mit der ich Unterricht hatte, an sage und schreibe drei Tagen hatten wir VIER Stunden Surfen…wir sind gemeinsam gestorben aber haben es durchgezogen. Madeleine, Olympiamedalliengewinnerin aus Österreich, und ich haben oft beim warten auf die Welle gequatscht und dann die selbe Welle, eine so genannte Partywelle, genommen. Manchmal sind wir dabei ineinander gesurft und oft hatte eine von uns ein Whipe out, wenn man die Welle nicht richtig erwischt und sie einen umhaut. Leider hatten wir meist mit einer Gruppe junger Spanierinnen zusammen Unterricht, die jederlei Surfregeln misachtet haben (oder nicht kannten, weil sie nicht zur Theoriestunde gegangen sind) und uns in den Weg gefahren oder nicht aus dem Weg gegangen sind. Gegen Ende der Woche hatten wir sie so weit, dass sie uns aus dem Weg springen, weil wir es satt hatten, gute Wellen sausen zu lassen.

Arianna, Ükül, Astrid, Bao, Sarah, Kathi, Madeleine, ich, Yasmina und Kaspar
Wir sind wieder zur gleichen Stelle gewandert, wie letztes Jahr, um den Sonnenuntergang anzusehen, das war echt schön, weil wir dieses Mal pünktlich waren. Dann hatten wir noch einen Filmabend, leider haben wir wieder nicht den coolen Film über surfende Pinguine gesehen, also habe ich den Abend mit ein paar Anderen Deutschsprachlern verbracht…die zähle ich jetzt aber nicht alle auf. Am Beerpong Tounier habe ich natürlich auch nicht teil genommen und mit nach Comillas zum Club Fiesta Fiesta bin ich dieses mal auch nicht mit. Josh, 27 aus Wales, hat mir stattdessen geholfen ein Geschenk zu basteln, so war mir nicht langweilig. Was soll ich sagen, ich brauch halt meine 8h Schlaf, was soll ich sagen. So habe ich zwar einige lustige Geschichten verpasst, aber umso mehr Wellen erwischt.
Achja, das Camp ist dieses Mal so Deutsch, dass selbst zwei von drei Surflehrern in Deutschland aufgewachsen sind/fließend Deutsch sprechen. Gut, mir solls egal sein, ich kann Englisch und es gab ja dann doch so eine Hand voll Briten im Camp, mit denen man das sprechen konnte. Es waren übrigens kaum Leute vom letzten Jahr da, nur Hannah die Campleiterin und Casey, einer der „Bauarbeiter“ (naja, hier wird alles aus Holz und Bambus gebaut). Aber wie sich später herausstellte, war Artur, 23 (was hab ich falsch gemacht, dass ich jetzt nicht sein Leben lebe) aus Kastachstan/Deutschland, letztes Jahr bei Dreamsea, dem Camp das am Strand meist „nebenan“ ist. Das war einer der Typen, von denen Lauren immer meinte, dass Dreamsea die hübschesten Surflehrer hat, und denen wir immer zuwinken sollten. Er meinte auch, ich komm ihm irgendwie bekannt vor…ich würde gerne zurückspulen und mir die erste Begegenung nochmal ansehen…wieso geht sowas nicht? Und Alex, 22 aus Glasgow, der neue Barkeeper war auch letztes Jahr dort…den habe ich so komplett vergessen…mal sehen, ob er auf irgendwelchen alten Fotos im Hintergrund ist oder so. Matteo, gute Frage aus Glasgow, ist Surfassistenzlehrer und war letztes Jahr auch dort…vielleicht…naja, was solls, kenne die Menschen ja jetzt und sie sind großartig, aber später mehr dazu.

Es gab dieses Mal wieder einen Ausflug, diesmal nach Santander…Städtetrip oder Surfen…keine Frage, surfen natürlich! Erstaunlicherweise sind der großteil meiner Freunde auch im Camp geblieben und surfen gegangen. So war ich dann mit Madelein, ihrer Freundin Sarah und noch ein paar anderen surfen. Abends sind Ükül, 25 aus München, Astrid, 32 aus München, Yasmina, 17 aus Frankfurt, Bao, 17 aus Köln, Arianna, 18 aus Kassel, wohnt jetzt in Singapur und Kathi meine Mitbewohnerin und ich dann nach San Vincente mitm Taxi zum Essen gefahren. Es gab Paellas für alle, vegetarische, normale und welche mit Tintenfisch.

Dann war auch schon der letzte Tag gekommen. Wir hatten erst um 2 Surfstunde, also haben Madeleine, Sarah und ich noch im Camp gechillt, weil wir einfach zu blass sind um so lange am Strand zu brutzeln. Die letzte Surfstunde war echt cool, wir sollten Tricks ausprobieren für den Surfwettbewerb danach. Auf dem Longboard mit Rollen daheim, habe ich genau einen Trick drauf, den habe ich ausprobiert und abgeändert. Das klappte wirklich erstaunlich gut, die Übung vom Vortag hat sich ausgezahlt, schon während der Stunde waren die Surflehrer beeindruckt…ich auch! Der coolen Artur oder wie der Trick wirklich heißt, wenn man mit beiden Beinen zusammen nach vorne aufm Brett steht und sich lässig nach hinten lehnt, hat auch geklappt. Dann gab es eine Kriegsbemalung von Artur. Das links ist Kaspar, 25 aus der Schweiz.

Im Wettbewerb haben neben mir noch 13 andere Teilgenommen. Für 10 Minuten haben wir gesurft und jede akzeptable Welle genutzt. Ich habe meinen Trick, einen 180 oder Switchfoot vorgeführt, bei dem ich hochspringe, mich um 180 Grad (wer hätte es gedacht) drehe und nebenbei noch ein Shaka mit der Hand mache. Nach Strand Yoga, Abendessen und etwas Party, habe ich dann erfahren, dass ich einen Preis in der Kategorie Bester Trick gewonnen habe. Ein Tshirt und eine Trinkflasche auf der „Best Trick 2018“ steht, gabs dafür. Das war verdammt cool. Ich hab dann noch von allen die Kontaktdetails gesammelt und von Artur ein paar Surfspots in Portugal erfahren…bin extrem motiviert im September surfen zu gehen…vielleicht sollte ich meinen Master doch am Meer machen…und Lucia, gute Frage aus der Slowakei, wohnt jetzt auf Fuertaventura und unterrichtet Yoga und Surfen, habe ich auch mal wieder gesehen, wir haben uns Anfang der Woche über Fleisch essen und Grausamkeit gegenüber Tieren unterhalten.
Achja, das Thema der Feier war Geschlechtertausch…da mein Kleiderschrank so ziemlich halb halb ist, war das für mich eher nicht so spannend. Aber Artur sah einfach unverschämt gut in dem Kleid aus. Matt haben wir etwas geärgert und ihm gezeigt, wie ätzend Kerle sein können…ist ja seine Schuld, wenn er so aufreizend rumläuft. Nein, natürlich nicht!

Lucia, ich und Artur
Danach ging die Feier noch in eine Bar, da der letzte Abend ist und ich morgen nicht surfen kann, bin ich dann sogar mal mit gegangen. Bla bla bla, viel gelaber. Zum Abschied wollte Matteo mich garnicht loslassen, locker 10 Mal hat er mich drücken müssen, bevor ich gehen durfte. Er war einfach überwältigt, weil selbst er den 180 nicht hinkriegt. Und dass ich Talent hätte und da ein Surfurlaub im Jahr nicht ausreicht und vielleicht seh ich ihn im September ja in Portugal und wie gut ich Wellen einschätzen kann. Gut, zugegeben, er war etwas betrunken, aber ums auf Süddeutsch zu sagen „Gö war der süß!“.

Xenia (Schweiz) und Matteo
So habe ich wieder ein paar neue Freunde in allen Teilen der Welt… Madeleine und Sarah meinten auch ich sollte mal vorbei schaun.
Jetzt sitze ich in San Sebastian und bin überfordert, weil ich meinen Tag und Essen und alles selbstständig planen muss…ganz ungewohnt nach der letzten Woche.