Eine Blume, deren Blüte so aussieht wie ein Daumen nach oben

Es könnte schlimmer sein

Der Titel bezieht sich in keinstem Sinne auf Glasgow, auch wenn Caitlin (meine Mitbewohnerin aus Oslo, die ich hier besuche und bei der ich wohnen darf) über einige Stadtteile sagt „geh da nicht hin, da wirst du abgestochen“. Aber der Durchschnittstouri wird sich da nicht hin verirren und ich wurde ja informiert. Ich bin hier ohnehin nicht viel unterwegs, ich habe mich nämlich wirklich ganzschön erkältet in diesem Höllenhostel in Galway.

Schon als Caitlin mich vom Busbahnhof abgeholt hat, habe ich gemerkt, wie viel anstrengender auf einmal alles ist…energielosigkeit. Ich habe also den restlichen Tag in der Wohnung verbracht und gemalt. (Tausend dank an Lisa für die Idee mit dem Malen, das ist eine großartige Beschäftigung, wenn man selbst zum Lesen zu schlapp ist.) Später kamen ihre Eltern noch kurz vorbei und haben Caitlin, Caitlins Freundin und mir (ja, ich hab auch eins gekriegt) riesige Schokoladeneier zu Ostern geschenkt. Wirklich nette Leute die Schotten, wenn auch etwas schwer zu verstehen. Abends waren wir dann noch mit Caitlins Freundin und dem Freund von Caitlins Schwester, der bei Caitlin übernachtet hat, weil sie in Flughafennähe wohnt, in der Nähe Essen. Caitlins Freundin hat bezahlt. Wow, hier sind wirklich alle extrem nett. Und wer hat eigentich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Schotten geizig sind? War dieser Mensch je in Schottland und hat einen Schotten getroffen? Vermutlich nicht.

Am nächsten Tag bin ich alleine, weil die arme Caitlin noch ein paar Klausuren vor sich hat, in die Stadt gefahren um etwas zu bummeln und Glasgow Green, einen Park im Zentrum, anzusehen. Dort saß ich eine Weile in einem schönen alten Gewächshaus, wo es herrlich warm und feucht war…mittlerweile hatten sich meine Halsschmerzen zu einem Husten entwickelt. So bin ich auf dem Rückweg noch in der Drogerie vorbei gegangen (hier werden dort auch Medikamente verkauft, so wie die frei-verkäuflichen in der Apotheke) und habe auf Evas Rat hin einen Mix aus Schmerz- und Aufputschmittel und zusätzlich Nasentropfen gekauft, um nicht die ganze kommende Woche im Bett zu liegen. So bin ich dann nach Hause, hab auf dem Rückweg noch Suppe gekauft und zuhause erstmal zwei Stunden geschlafen, so erledigt war ich. Abends kam dann noch Gregor nach hause, Caitlins bester Freund und Mitbewohner, den ich in Oslo schon kennen gelernt habe.

Heute hab ich mich so garnicht fit gefühlt und lag noch bis 1 oder so im Bett und habe auf meinem Handy How I met your mother noch einmal angesehen und unter Caitlins wunderbarer Heizdecke gelegen, die sie mir geliehen hat…oder geschenkt…falls ich sie klaue…obwohl sie sicher nicht in meinen Rucksack passt…mist. Ich rede hier nämlich nicht von einer gewöhnlichen deutschen Heizdecke, sondern von einer normalen plüschigen Kuscheldecke, die beheizbar ist. Großartig, wenn man krank ist.

Irgendwann bin ich dann aufgestanden und hab mich auf den Weg zur Uni gemacht. Die ist nämlich wie die meisten alten Unis, sehr schön.

Praktischerweise ist sie direkt neben dem Kelvingrove Park, durch den ich dann gelaufen bin. Mein letzter Stop war dann der botanische Garten. Dort konnte ich mich noch etwas aufwärmen und ein paar tiefe Atemzüge mit viel Feuchtigkeit nehmen…So konnte ich sogar die blühenden Frühlingsblumen im Gewächshaus riechen. Hier ein paar tausend Bilder:

Von dort bin ich dann wieder zurück gefahren, lag noch etwas im Bett und das werde ich gleich auch wieder machen…Ruhe heilt ja bekanntermaßen am besten und zu meinem Glück könnte es schlimmer sein. Ich bin nicht in einem Hostel (zumindest nicht bis morgen abend), sondern bei einer guten Freundin, ohne fremde Leute und mit eigenem Zimmer (dem Wohnzimmer). Ich hab eine beheizbare Decke. Und ich hatte extra ein paar Tage mehr in Glasgow eingeplant, weil ich nicht wusste, wann genau ich aus Belfast ankommen würde (eigentlich war 2 Uhr geplant, aber der Bus war ausgebucht) und wann genau es nach Edinburgh weiter geht). Außerdem ist Glasgow nicht die große Touristenstadt, also gibt es nicht ganz so viel, was ich unbedingt sehen muss…und seit wann interessiert mich überhaupt, was andere meinen, was ich muss. Ergo: Es könnte schlimmer sein.

Die Blüte sieht das auch so und gibt mir einen Daumen nach oben!

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